|
Archiv » 1998 » 31. Oktober
Textarchiv
MÄRKISCH-ODERLAND
Hunde lernen Gehorsam am besten in der Gruppe
Sanfte Ausbildung in Eggersdorf / Bei den Kursen sind Tiere und Halter gemeinsam dabei
Beate Kempkens
Minutenlang tragen die Welpen Bonnie und Branka einen Zweikampf aus. "Zweibeiner, nicht dazwischengehen. Die Hunde lernen, das ist ungefährlich", ruft jemand quer über die Wiese. Bonnie, der 13 Wochen alte Schäferhund, liegt schließlich besiegt auf dem Rücken. Der Rottweilerwelpe Branka hält ihn mit dem Körpergewicht nieder. In der Hundeschule Eggersdorf (Märkisch-Oderland) nutzen die Trainer solche Situationen spontan, um Lernstoff weiterzugeben an Hundehalter. Die Menschen aus der "Welpenspielgruppe" sollen die Sprache der Tiere selbst anwenden lernen. Der Hund begreift, daß Herrchen oder Frauchen der Boß ist. Der Halter versteht, daß Erziehen ohne Aggression funktioniert.
Ines-Ellen Tumovec, Betreiberin der Schule "Konsequenter und sanfter Weg", ist von ihrem Konzept überzeugt. "Nur wer weiß, wie die Hunde untereinander lernen, kann richtig mit ihnen umgehen", sagt die 41jährige. Als sich die Wirtschaftsberaterin vor einigen Jahren einen Hund zulegte, suchte sie lange nach einer geeigneten Schule. Sie fand keine. "Auf den Dressurplätzen wurde viel geschlagen und geschrien." Sie besuchte Kurse bei Tierpsychologen und Veterinären und gründete dann vor vier Jahren ihre eigene Hundeschule.
Auf ihrem Übungsplatz fallen selten Befehle wie "Sitz!" oder "Aus!" Die Hunde lernen den Gehorsam spielend in der Gruppe. Der Halter muß stets dabeisein. "Ein Hund ist auf die Hierarchie in einem Rudel fixiert", sagt Ines-Ellen Tumovec. "Der Besitzer muß die Chef-Funktion übernehmen." Würden Hunde einzeln trainiert, etwa in Internaten, würden die Tiere oft aggressiv. Solche Hundeschulen hätten unter Kennern keinen guten Ruf und seien teuer, sagt Tumovec.
Bis vor kurzem mußten die Betreiber von Hundeschulen keine entsprechende Ausbildung nachweisen, nur einen Gewerbeschein beantragen. Erst seit im Mai das neue Tierschutzgesetz in Kraft trat, müssen Branchenneulinge ihre Sachkunde beim Amtstierarzt nachweisen. Die Etablierten haben bis zum Mai nächsten Jahres Zeit.
Ums Abrichten oder Scharfmachen geht es in guten Hundeschulen nicht. "Der Hund lernt dort Grundgehorsam", sagt Claudia Pfister vom Tierheim Lankwitz. "Beispielsweise, sitzen zu bleiben oder Radfahrer nicht anzuspringen." Sie empfehle jedem Hundehalter, sich schulen zu lassen. "Er muß lernen, Stimme, Tonfall und Körperhaltung richtig einzusetzen." Für die Tiere selbst seien die Kurse eine willkommene Beschäftigung. "Sie können sich bewegen, mit anderen Hunden zusammen spielen. Wenn ihnen das fehlt, machen sie Probleme."
|